ungezähmt _ für Ferede


musical production
2020/21
with financial support of Cultural Office
Berlin Schöneberg - Dezentrale Kulturarbeit

directing/choreography/sound - Ynez de Zilón
dance/choreography - Ana Kavalis
flutes - Karoline Schulz



Die Performance ungezähmt _ für Ferede thematisiert Erfahrungen von Traumatisierung, Hilflosigkeit und Schmerz, die sich in uns einschreiben und weit über Zeit und Ort des Geschehens hinaus als kollektives Unbe-
wusstes manifestieren, wenn das Politische gewaltvoll in das Persönliche einbricht. Zugleich wendet sie sich dem Aufbegehren zu, dem Widerstand und dem uner-
schütterlichen Verlangen nach Neugestaltung, die untrennbar damit verbunden sind.


ruin
ruin
ruin
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"Das Herrschaftsverhältnis... fixiert sich in jedem Augenblick der Geschichte in einem Ritual; es schafft Verpflichtungen und Rechte; es bildet minutiöse Verfahrensweisen aus. Es setzt Markierungen und gräbt in die Dinge, ja in die Leiber, Erinnerungsspuren ein und führt Rechung über die Schulden.

Dieses Universum von Regeln ist nicht dazu bestimmt, die Gewalt zu mildern, sondern ihr Vorschub zu leisten. Verkehrt ist auch die überlieferte Vorstellung, dass der allgemeine Krieg sein Ende findet, indem er sich in seinen eigenen Widersprüchen erschöpft, der Gewalt entsagt und den Gesetzen des zivilen Friedens weicht. Die Regel ist das kalkulierte Vergnügen der Wut, das geplante Vergießen von Blut: Ständig erneuert sich das Spiel der Beherrschung, immer wieder wird Gewalt sorgfältig inszeniert. Die Menschheit verankert all ihre Gewaltsamkeiten in Regelsystemen und bewegt sich so von Herrschaft zu Herrschaft."


Michel Faucoult in „Nietzsche, die Genealogie, die Historie“

Aristoteles hat recht. Politicon sagte er vom Homo sapiens – er ist politisch; ontologisch ist er politisch, es gibt keinen unpolitischen Homo sapiens; er ist es, wo er steht, wo er geht, wo er sich äußert – die Politik kriecht durch. Die Existentialität ist durch und durch politisch.

Giwi Margwelaschwili in "Bedeutungswelten"


Ihr aber, Ihr Zuhörer
Der Geschichte vom Kreidekreis, nehmt zur Kenntnis die Meinung
Der Alten, dass da gehören soll, was da ist
Denen, die für es gut sind, also
Die Kinder den Mütterlichen, damit sie gedeihen
Die Wagen den guten Fahrern, damit gut gefahren wird
Und das Tal den Bewässerern, damit es Frucht bringt.


Bertholt Brecht in "Der Kaukasische Kreidekreis"