ruin
directing/choreography/sound - Ynez de Zilón
dance/choreography - Ana Kavalis
flutes - Karoline Schulz
camera/editing - Christoph Jackschies


with the financial support of Cultural Office
Berlin Schöneberg - Dezentrale Kulturarbeit

ungezähmt _ für Ferede


dance film
on collective traumatisation by war and forced migration


2022


ungezähmt thematisiert Verlust, Zerstörung, Demütigung und Schmerz, die sich tief ins kollektive Gedächtnis und die Körper
ganzer Generationen einbrennen, wenn das Politische machtvoll ins Persönliche einbricht
ungezähmt wendet sich zugleich dem Aufbegehren zu, dem Widerstand und dem aktiven Suchen nach Strategien,
die das Weiterleben und Überwinden des Schmerzes ermöglichen
ungezähmt fragt nach Motivationen und Bedingungen menschlichen Denkens und Handelns unter kaum aushaltbaren Umständen


Physische Körper tragen die Spuren des Grauens, die DNA der Verwüstung, als Echo weiter durch die Zeit. Als psychische Wunden schwelen sie oft längere Zeit im Verborgenen, brechen dann mit einem Male mit aller Macht ins Freie. Diesem psychischen Ringen überlässt die Tänzerin ihren Körper als Medium, setzt sich ihm aus in einer Art kathartischem Akt: Sie wird getrieben vom Puls vergangener Ereignisse, sie hält stand, wird niedergeworfen, versucht zu entrinnen. Sie bleibt gefangen, verliert sich... kommt schließlich zu einem Halt, zum Einhalten, Innehalten, zur Besinnung. Sie kommt zu sich und wird, aus eigener Entscheidung, zu dem Ort, an dem Transformation beginnt.

Inspiriert wurde ungezähmt durch die Begegnung mit dem tschetschenischen Mädchen Ferede im Jahr 2016. Durch die Ereignisse in der Ukraine erlangt sie heute tragische Aktualität und Unmittelbarkeit. Ein von Ferede mit bedrückender Unschuld und Melancholie gesungenes russisches Schlaflied mit seinem verstörenden Text ist Sinnbild für die Situation unzähliger Menschen, die rund um den Globus Willkür und Gewalt ausgesetzt sind. Die Geschichte von Feredes Vater ist nur eine, die hier, exemplarisch für viele erzählt wird: als Ausgangspunkt für die Reflexion gesellschaftlicher Wirklichkeiten sowie persönlicher Erfahrungen, Positionierungen und Entscheidungen.

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